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Eltern können nicht auf alle Fragen eine Antwort haben - wie gut, wenn ihnen dann eine Hebamme zur Seite steht.
Eltern können nicht auf alle Fragen eine Antwort haben - wie gut, wenn ihnen dann eine Hebamme zur Seite steht.

„Unser Beruf ist zutiefst sinnvoll und notwendig“

Hebammen unterstützen werdende Mütter mit Rat und Tat - zumindest dort, wo ihre Arbeit verfügbar ist

Veronika Bujny ist Vorsitzende des Hebammenverbands Niedersachsen und sprach mit Konstanze Schneider über den Hebammen-Beruf und strukturelle Schwierigkeiten in Niedersachsen.

Frau Bujny, welche Leistungen bieten Hebammen (werdenden) Eltern?

Veronika Bujny: Hebammen unterstützen von Beginn der Schwangerschaft, über die Geburt und das Wochenbett, bis zum individuell unterschiedlichen Ende der Stillzeit. Die werdenden Mütter/Eltern können Angebote von Schwangerenvorsorge, Hilfe bei Beschwerden und Kurse zur Geburtsvorbereitung oder Rückbildung wählen. Die Veränderungen in der Schwangerschaft und viele unterschiedliche Informationen führen zu Verunsicherungen. Die Hilfe der Hebamme unterstützt das Vertrauen in die eigenen Kräfte. Diese Bestärkung ist eine wichtige Grundlage, eine natürliche  Geburt zu erleben, um unnötige Eingriffe oder einen Kaiserschnitt zu vermeiden.
In der ersten Zeit mit dem Baby gibt die Hebamme fachliche Unterstützung zur Entwicklung eigener Sicherheit im Umgang mit dem Kind. Die körperlichen und seelischen Veränderungen, die das Mutterwerden mit sich bringt werden beobachtet und erklärt.

Warum gibt es in Niedersachsen einen Hebammenmangel?

Veronika Bujny: Die Arbeitsbereiche der Hebammen sind vielfältiger geworden, daher werden mehr Kolleginnen gebraucht. Einige Kolleginnen sind in andere Arbeitsfelder abgewandert. Eine Entspannung ist nicht zu erwarten, da die Geburtenrate leicht ansteigt und mehr als 25% der Hebammen in den nächsten 10 Jahren in Rente gehen werden. Es zeigt sich deutlich, dass zu wenige Hebammen ausgebildet werden. Die Ausbildung zur Hebamme ist europaweit, mit wenigen Ausnahmen, mittlerweile ein Bachelorstudiengang. Deutschland ist diesbezüglich ein echtes Schlusslicht. Das Studium muss in Niedersachsen und insbesondere in der Landeshauptstadt Hannover endlich auf den Weg gebracht werden. Wir brauchen Studienorte in Niedersachsen, um die Abwanderung in andere Bundesländer zu vermeiden. Es ist dringend notwendig, die Ausbildung auf EU-Norm anzugleichen.

Was sind die Folgen des Hebammenmangels?

Veronika Bujny: Es gibt eine deutliche Unterversorgung mit Hebammenhilfe, die jeder Frau, zusteht. Die freie Wahl des Geburtsortes ist in vielen Teilen Niedersachsens eingeschränkt, weil es an Hausgeburtshebammen und Geburtshäusern fehlt. In vielen Kliniken betreuen Hebammen mehrere Geburten gleichzeitig, es fehlt an einer 1:1 Betreuung.

 

Der Beruf der Hebamme ist zurzeit für viele junge Frauen unattraktiv. Wie könnte dies geändert werden?

Veronika Bujny: Unser Beruf ist zutiefst sinnvoll und notwendig. Das spüren Hebammen täglich in ihrer Arbeit. Es müssen jetzt jedoch einige Weichen so gestellt werden, dass das Berufsbild insgesamt für junge Frauen wieder attraktiver wird. Die Vielfältigkeit des Berufsbildes muss bekannter gemacht werden. Eine Hebamme kann sowohl freiberuflich, als auch angestellt in verschiedensten Bereichen arbeiten.

 

Welche Lösungsvorschläge haben Sie, um die Versorgung mit Hebammen für alle Frauen zu gewährleisten?

In Niedersachsen gibt es einige gute Projekte, die Hoffnung machen. In Soltau hat die Kommune, nach der Schließung der Geburtsklinik, ein Geburtshaus finanziert. So kann eine wohnortnahe Versorgung beibehalten werden. Der Rat der Stadt Oldenburg hat in diesem Jahr 50.000 € in den Haushalt eingestellt, um eine Hebammenzentrale aufzubauen.
Das sind zwei Beispiele, bei denen neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden. Wir werden sehr intensiv das Problem im Blick behalten und weitere Lösungen suchen. Im Sinne der bestmöglichen Versorgung der Familien rund um die Geburt sollten sich daher die Kommunen und Krankenkassen gemeinsam mit uns als Hebammenverband einsetzen.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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