^
Navigation öffnen

„Wir haben einen Fanclub der Elektrisierten“

Ein Gespräch über den Einsatz von Elektroautos für Pflegedienste

Die Diakoniestation Burgdorf gehörte zu vier ambulanten Pflegediensten der Diakonie in Niedersachsen, die an einem einjährigen wissenschaftlich begleiteten Testlauf mit Elektro- und Erdgasfahrzeugen teilnahmen. Thomas Bella, Geschäftsführer der Diakoniestation Burgdorf e.V., erläutert im Gespräch, welche Erfahrungen der Dienst damit gemacht hat und warum er sich für den Einsatz von E-Autos entschieden hat.

Wie viele Mitarbeitende und Fahrzeuge hat die Diakoniestation Burgdorf? Und wie viele Patienten versorgen Sie?

Die Diakoniestation versorgt in der Stadt Burgdorf rund 200 pflegebedürftige Menschen. Zurzeit sind dafür 50 Mitarbeitende im Einsatz, die überwiegend teilzeitbeschäftigt sind. In unserem Fuhrpark gibt es 17 Fahrzeuge. Darunter sind drei Elektroautos, die wir nach dem Testlauf 2016 angeschafft haben.

Warum haben Sie an dem Projekt zur Mobilität teilgenommen, was waren Ihre Motive?

Wir haben vor zehn Jahren schon einmal Fahrzeuge mit Erdgas- beziehungsweise Autogas-Antrieb ausprobiert, waren davon aber eher enttäuscht. Damals mussten die Fahrzeuge dafür speziell umgebaut werden. Es geht uns sowohl um den Umweltgedanken als auch um die Wirtschaftlichkeit, schließlich sind wir mit unseren Fahrzeugen jedes Jahr rund 220.000 Kilometer unterwegs - das ist fünfeinhalb Mal um die Erde! Dabei werden etwa 16.700 Liter Benzin verbraucht. Deshalb wollten wir die Chance nutzen und an der Projektstudie teilnehmen. Davon haben wir auch sehr profitiert.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Das Elektroauto hat allen, die es genutzt haben, sofort Spaß gemacht. Es hat ein tolles Anfahrverhalten und auch sonst ein eher spritziges Fahrverhalten. An die fehlende Schaltung haben wir uns schnell gewöhnt. Die geringere Reichweite gegenüber den Benzinern fiel nicht ins Gewicht, weil sie für den täglichen Einsatz ausreichte und die Autos nachts auf dem Parkplatz der Diakoniestation aufgeladen wurden. Unter wirtschaftlichen Aspekten haben uns beide Alternativen überzeugt. Sehr dankbar waren wir für die Vorbereitung und Begleitung durch den technischen Partner, die Lautlos GmbH.

Gab es auch Kritik?

Das Betanken des Erdgasautos war eher unbeliebt. Gas ist vielen unheimlich, obwohl uns bei der ausführlichen Info-Veranstaltung zu Projektbeginn versichert wurde, dass dies ungefährlicher sei als Benzin. Dazu kam, dass wir in unserer Umgebung nur Tankstellen mit dem sogenannten Low-Gas haben. Damit hat man eine geringere Reichweite und muss die Fahrzeuge öfter tanken. Beim Elektroauto mussten sich die Mitarbeitenden in den Tempo 20- oder Tempo 30-Zonen ein anderes Fahrverhalten angewöhnen, weil die Autos in diesem Tempobereich so leise sind, dass sie von anderen Verkehrsteilnehmern erst spät wahrgenommen werden.

Sie haben sich im Anschluss an den Projektzeitraum entschieden, drei Elektrofahrzeuge anzuschaffen. Warum?

Die Auswertung ergab, dass wir durch den Einsatz von E-Fahrzeugen enorm am Verbrauch sparen - und zwar rund 700 bis 800 Euro pro Fahrzeug und Jahr. Natürlich steht dem der höhere Anschaffungspreis gegenüber. Wir haben das nahezu kompensieren können. Zum einen durch die BAFA-Förderung (Anm. Red.: BAFA=Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) und einen Händlerrabatt, zum anderen durch einen Strompreisrabatt der Stadtwerke Burgdorf für die ersten drei Betriebsjahre. Ein weiterer wichtiger Grund für uns ist aber der höhere Komfort der Fahrzeuge: Unsere Mitarbeitenden verbringen 20 bis 30 Prozent ihrer Arbeitszeit im Auto. Eine bessere Fahrzeugausstattung trägt dazu bei, dass sich unsere Mitarbeitenden bei der Arbeit wohler fühlen. E-Mobilität ist also nicht nur umweltfreundlich, sondern kann auch zur Mitarbeiterbindung beitragen. Bei uns gibt es jedenfalls mittlerweile einen Fanclub der „Elektrisierten“.

 

Das Gespräch führte die Journalistin Ines Goetsch

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code