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Ein Gewinn für alle

Das Projekt „Lebensnah“ in Gillersheim

„Wir haben uns gefragt, was wir tun können, damit ältere Menschen länger in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Die Idee für das Projekt „Lebensnah“ war dann schnell geboren“, erzählt Ditmar Hartmann, Geschäftsführer der Harz-Weser-Werkstätten. Ziel der Werkstätten ist, ein Miteinander von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zu ermöglichen. Im Projekt „Lebensnah“ erledigen Menschen mit Beeinträchtigungen Dienstleistungen wie Schneeschippen, kleinere Reparaturarbeiten oder Hilfe bei den Einkäufen für die Einwohner im Ort Gillersheim im Landkreis Northeim.


Gillersheim wurde zum einen ausgewählt, weil sich hier der demographische Wandel in Niedersachsen sehr deutlich zeigt: Jüngere Menschen wandern ab, die Menschen im Ort werden älter und schaffen die Arbeiten in ihrem Haushalt nicht mehr ohne Hilfe. Zum anderen ist für die meisten Einwohner der Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen selbstverständlich. „Wir haben hier schon seit Jahren den Verein „Treffpunkt“. Er bietet Wohngruppen und Betreuungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen an“, berichtet Gabi Müller, stellvertretende Oberbürgermeisterin von Gillersheim. Johanna Hesse, Pastorin im Ort, ergänzt: „In unseren Kindergarten gehen auch mehrere Kinder mit Beeinträchtigungen aus der ganzen Umgebung - man sieht also, dass Gillersheim hier für Integration bekannt ist. Menschen mit Beeinträchtigungen gehören bei uns ganz normal dazu, niemand wird versteckt.“ Dennoch war es für das Projekt wichtig, eine Gruppenleiterin zu wählen, die im Ort bekannt ist, damit sie Türen öffnen kann. Marion Tschernich kommt aus einem Nachbarort und war bereits zuvor in Gillersheim und der Umgebung sehr gut vernetzt. „Wenn man Menschen in sein Haus und in seinen Garten lässt um Arbeiten zu verrichten, dann muss man ihnen auch vertrauen. Da mich die Menschen hier kennen, war die Hemmschwelle bei vielen gering“, erzählt sie. Bereits als sie mit ihren drei Mitarbeitern im August im Ort Flyer verteilt hat, um das Projekt bekannt zu machen, waren viele Passanten sehr interessiert. „Außerdem gehe ich auf die Menschen zu und frage, ob wir helfen können. Ein Bekannter von mir renoviert gerade, da habe ich ihm gleich gesagt, dass wir für ihn zum Beispiel die Tapeten entfernen können. So bekommen wir Aufträge und wenn wir die gut machen, dann spricht sich das rum und es werden immer mehr“, berichtet Marion Tschernich. Zusätzlich bekommen die Mitarbeitenden Aufträge von Unternehmen im Ort. So beklebten sie im Dezember Eierkartons für einen Biobauernhof.

Andreas Boeter ist einer von ihnen. „Mir macht die Arbeit hier viel Spaß. Vorher, bei meiner Arbeit in der Werkstatt, war alles genau geplant. Hier weiß man vorher nicht, welche Arbeit man machen darf. Außerdem mag ich die Ruhe hier, es ist alles nicht so hektisch und ich habe keinen Stress mit Kollegen“, berichtet er begeistert . Er arbeitete zuvor in einer Werkstatt der Harz-Weser-Werke. „Manchmal muss man hier aber auch ganz schön malochen, zum Beispiel, wenn wir bei Waldarbeiten helfen. Dann bin ich abends oft kaputt“, erzählt er weiter. An einigen Tagen sei die Arbeit zwar auch etwas langweilig, weil wenige Aufträge reinkommen, „aber dies wird sich mit der Zeit finden. Wir müssen einfach Geduld haben. Solange gibt es uns ja noch nicht“, meint Ditmar Hartmann.
Das Projekt ist zunächst für zwei Jahre angelegt und wurde im August 2015 aus der Taufe gehoben.
Wie immer in den Harz-Weser-Werkstätten wurden die Mitarbeitenden im Projekt nach ihren Fähigkeiten ausgewählt. „Alle neuen Mitarbeitenden durchlaufen bei uns erstmal eine Testphase. Wir schauen dann, was seinem Typ und seinen Fähigkeiten entspricht. Der eine ist gut geeignet für Gartenarbeit, der andere eher für technische Arbeiten. Wir bieten im Grunde für jeden etwas“, erklärt Ditmar Hartmann. Die Harz-Weser-Werkstätten beschäftigen insgesamt etwa 1.400 Menschen mit Beeinträchtigungen. Mittlerweile bieten sie nicht mehr nur Arbeitsplätze für körperlich sondern auchfür seelisch Beeinträchtigte an. So arbeiten bereits circa 420 Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen bei den Harz-Weser-Werkstätten. Die Werkstätten versuchen immer wieder innovative Projekte zu entwickeln, um Menschen mit Beeinträchtigungen Teilhabe zu ermöglichen und sie in die Gesellschaft zu integrieren. Das Projekt „Lebensnah“ liegt Ditmar Hartmann aber besonders am Herzen: „Es ist zwar nur klein, aber ich denke, dass es etwas für die Zukunft ist. Wenn es hier gut klappt, dann wünsche ich mir, dass wir es auch auf andere Orte übertragen. Durch unser Projekt werden nicht nur Menschen mit Beeinträchtigung in die Gesellschaft integriert, sondern wir tragen auch zur Steigerung der Lebensqualität der Einwohner bei. Was will man mehr?“

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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