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Eine inklusive Band macht exklusive Musik

The Mix aus Neuerkerode rockt mittlerweile weltweit die Bühnen

„Wie sieht es bei uns aus mit einer Band?“ - diese Frage richtete Christian Könnemann 2009 an Peter Savic, den damaligen Musikbereichsleiter der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. Hier leben und arbeiten Menschen mit besonderem Hilfebedarf. Durch Aufrufe in den „Neuerkeröder Blättern“, dem Hausmagazin, und durch Mundpropaganda fanden sich musikbegeisterte Menschen zu einer Band zusammen. Gemeinsam wurden sie The Mix.

Mittlerweile besteht The Mix aus neun Musikerinnen und Musikern mit und ohne Behinderung. Neben seiner Rolle als Gitarrist wird Savic bei allen organisatorischen Fragen vom pädagogischen Begleiter Wolfgang Friedrich unterstützt, der auch eine wichtige Vertrauensperson für alle Musikerinnen und Musiker ist. Die Bandmitglieder helfen sich gegenseitig: die Sängerinnen Sian Kamp und Yana Bashilova proben häufig zu zweit, damit im entscheidenden Moment jeder Ton und jeder Text sitzt. Alle sind sich einig: man muss mit Herz für die Musik und den Menschen dabei sein. Savic erklärt: „So ein Projekt geht nur, wenn du Verständnis für Menschen mit Behinderung aufbringen kannst.“

Anfangs galt es nur, die Lieder nachzuspielen: „Heute schreiben wir die Texte selbst und erarbeiten gemeinsam die Melodien dazu.“ The Mix möchte persönliche Erlebnisse und Gefühle in der Musik verarbeiten. So entstand auch das Lied „Schwarz oder Weiß“: Musiktechniker Könnemann hatte die Idee für den Song, der auf dem neusten gleichnamigen Album zu hören ist. Er teilte seine Gedanken mit Savic und einem weiteren Mitarbeiter aus Neuerkerode, und gemeinsam schrieben sie den Text. „Wenn jemand eine Idee hat, arbeiten wir gemeinsam an der Umsetzung. Wichtig ist, dass jeder, der möchte, daran beteiligt ist und die Musik zum Sprachrohr für ihre Gefühle und Biografien werden kann“, sagt Savic.

Als Sian Kamp vor drei Jahren beschloss, in der Band mitzusingen, war sie anfangs gehemmt von all den neuen Eindrücken. Vor einem Publikum ins Mikrofon zu singen war neu für sie. Die Arbeit mit den anderen Musikerinnen und Musikern und die Erfolgserlebnisse auf der Bühne haben sie verändert. „Seit ihrem Mitwirken ist Sian sehr aus sich heraus gekommen. Alle hier haben im Laufe der Zeit ihre Persönlichkeiten ausbauen können. Die Band ist nicht nur ein Musikportal“, meint Savic, und Gitarrist Sascha Ehlert ergänzt: „Man lernt unglaublich viel über sich selbst.“

Ihren ersten Auftritt hatte The Mix 2009 auf dem Dorfplatz von Neuerkerode. Seitdem wurden die Bühnen, auf denen sie spielten immer größer, ihre Zuhörerschaft immer breiter und ihre Tour-Wege immer weiter. Wir sind ein echtes Kollektiv geworden, in dem man sich einfach nur wohl fühlt“, sagt Sean Remmler, der Bassist der Band, „The Mix ist ein unglaublich wichtiges Projekt für uns alle.“

Ihre erste internationale Tour machten sie 2011 in Namibia, wo sie unter anderem in der Deutschen Botschaft auftraten. Zwei Jahre später dann ihr (bisher) größtes Konzert: In der VW-Halle in Braunschweig trugen sie ihr Lied „Lass mich sein wie ich bin“ vor 6.000 Menschen vor und bekamen stehenden Applaus. „Es ist eine Erfüllung, vor so vielen Menschen zu spielen“, sagt Savic, „das macht unglaublich viel Spaß.“

2014 reisten sie dann in die USA. Damit wollten sie nicht nur aus geographischer Sicht Neuland betreten: mit ihrem bereits Abend-füllenden Repertoire wollten sie sich auch in etablierten Musik-Bars wie dem Pianos in New York City beweisen. The Mix will für ihre Musik gemocht werden - unabhängig davon, ob mit oder ohne Behinderung. „Das Publikum sollte uns einfach für das bewerten, was wir können. Fakt ist: Wir sind eine inklusive Band, und Fakt ist auch, dass wir ein Niveau haben wollen, bei dem andere sagen: Ihr macht richtig gute Musik“, fasst Savic die Motivation der Gruppe für die Reise zusammen. Genau das konnten sie schließlich erreichen, und so bleibt ihre Amerika-Tour nicht nur als großes Abenteuer, sondern insbesondere als musikalischer Erfolg in der Erinnerung von allen Band-Mitgliedern. „Wir haben hier in Deutschland Autogrammkarten drucken lassen, sie unterschrieben und dann dort verteilt. Das war alles ein tolles Erlebnis und wird unvergesslich bleiben“, erzählt die Sängerin Sian Kamp.

Unermüdlich geht es auch in diesem Jahr weiter: neben Auftritten beim internationalen Festival „Music unites Europe“ in Schweden und weiteren Konzerten in Dänemark und den Niederlanden waren The Mix beim Kirchentag in Berlin zu erleben. Hier auch mit der Band Stilbruch, die zum Jahresthema der Diakonie in Niedersachsen das Lied „Die Liebe siegt“ geschrieben hat. Gemeinsam sind The Mix und Stilbruch auch im Video dazu zu sehen.

„Momentan arbeiten wir an vielen tollen Projekten“, sagt Savic. Mit ihrem Elan und Einsatz sorgen The Mix dafür, dass in naher Zukunft an inklusiven Bands hoffentlich nicht mehr die Inklusion, sondern die Musik besonders ist. So wie es The Mix bereits heute beweist.

Text: Olga Legler

Das Album „Schwarz oder Weiß“ (2016) ist erhältlich bei der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. Mehr unter: www.the-mix-band.de

Das Video finden Sie hier: www.woche-der-diakonie.de

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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