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Im Notfall hilft der Helikopter oder das Rettungsboot

Die besonderen Bedingungen der ambulanten Pflege auf Juist

Keine Autos, dafür viel Wind und die Gezeiten: Die Arbeitsbedingungen auf Juist sind etwas Besonderes. Hermann Wölfel (57) und Frank Mechel (58) arbeiten als examinierte Pfleger für den Diakonie-Pflegedienst Hage auf der Nordseeinsel.  Die Pfleger haben einen sieben- bis zehntägigen Arbeitsrhythmus auf der Insel.
Frank Mechel wohnt seit einigen Jahren auf Juist, Hermann Wölfel muss mit der Fähre zwischen Norden/Norddeich und Juist pendeln. Wenn er auf der Insel ist, wohnt er in einer gemütlichen Zwei-Zimmer-Dienstwohnung.

Juist ist eine der sieben Ostfriesischen Inseln im Nationalpark Wattenmeer, auch Töwerland (Zauberland) genannt. Sie ist mit zirka 17 Kilometern Länge die längste der Ostfriesischen lnseln und mit 600 bis 700 Metern Breite die schmalste. Die Versorgung muss rund um die Uhr gewährleistet sein: Die Insel hat ungefähr 1750 Einwohner, von denen rund ein Viertel älter als 60 Jahre ist. Wölfel und Mechel versorgen täglich 18 Patienten.

Durch die Gezeiten können sich die Abfahrten der Schiffe deutlich verschieben. Denn die Insel ist tidenabhängig und nur alle 12 Stunden mit dem Schiff erreichbar. Weil auf Juist keine Autos fahren, sind die Pfleger täglich mit dem E-Bike unterwegs - egal, ob es regnet, Stürme oder Orkane wüten: bei Wind und Wetter, täglich 50 bis 60 Kilometer. Je nach Witterung müssen sie entsprechende Schutzkleidung tragen. „Bei 18 Hausbesuchen am Tag heißt das, dass wir die Sachen 18 Mal an- und wieder ausziehen“, sagt Mechel, „das ist ziemlich aufwendig“. Im Winter gestaltet sich der Tagesablauf bei Regen, Glatteis, Wind und Nebel noch komplizierter. Wölfel und Mechel müssen sich ihren Tagesablaufplan genau strukturieren, damit sie die Patienten pünktlich besuchen und diese ihre tägliche Pflege erhalten. „Wenn die Wetterverhältnisse ganz dramatisch werden, hilft uns auch das Rote Kreuz mit dem Dienstwagen, die Kunden aufzusuchen“, sagt Wölfel.  

Juist hat einen kleinen Flugplatz, der von Norden-Norddeich angeflogen wird, solange es das Wetter zulässt. Manchmal muss Wölfel auch den Flieger nutzen, wenn sich die Abfahrten der Schiffe zu sehr verschieben, damit der Pfleger pünktlich seinen Dienst auf Juist beginnen kann. Die Materialien werden mit der Fähre oder dem Flugzeug nach Juist transportiert. Speditionen auf der Insel befördern zum Beispiel die Krankenbetten - mit Pferdekutschen. Ein Mitarbeiter vom Sanitätsunternehmen kommt auf die Insel, um das Krankenbett dann aufzubauen.

Auf Juist arbeiten zwei Ärzte, einer davon ist auch Badearzt, zusätzlich kommen einmal im Monat ein Urologe und ein Neurologe auf die Insel. Mit den Ärzten und der Apotheke arbeiten die Pfleger sehr eng zusammen, denn sie sind aufeinander angewiesen - sei es für Rezepte, bei Medikamenten oder Notfällen: letztere werden mit dem Helikopter oder mit dem Rettungsboot zum Festland gebracht. „Sehr gut ist auch die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche“, sagt Wölfel, „die Pastorin steht uns immer mit Rat und Tat zur Seite“.

Dass Wölfel und Mechel sich auf ihre gute Zusammenarbeit verlassen können, ist eine Grundvoraussetzung, damit sie eine gute Versorgung beim Kunden gewährleisten können. Beispiele sind Patientenübergaben und Veränderungen in der Pflege. Die Arbeiten auf der Insel sind die gleichen pflegerischen Leistungen wie auf dem Festland: Grundpflege (Körperpflege), Behandlungspflege (Insulin spritzen, Verbände etc.), die nahtlos ineinander übergehen. So wird dem Patienten als erstes der Blutzucker gemessen, dann Insulin gegeben und zuletzt die Grundpflege durchgeführt.

Außer der Pflege beraten Wölfel und Mechel die Patienten unter anderem für kommende Krankenhausaufenthalte oder Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). „Manchmal hilft auch einfach ein offenes Ohr“, sagt Frank Mechel. 

Ein wichtiger Punkt für die Pfleger ist auch der Kontakt zu anderen Senioren auf der Insel, zum Beispiel über den Seniorenkreis. „Wir wollen einfach sicher sein, dass im Notfall jeder weiß, wie er uns erreicht und Pflege bekommen kann“, erläutert Mechel.

Auch die Pflege von Urlaubsgästen, die sich im Vorfeld anmelden müssen, gehört zur täglichen Arbeit. Die Anzahl dieser Patienten hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht: Bis zu 15 Urlauber versorgen Wölfel und Mechel in der Saison zusätzlich zu den vorhandenen Stammpatienten. Eine willkommene Herausforderung für die Pfleger.

Text:  Hermann Wölfel und Frank Mechel

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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