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Notfalllisten und Kirschkernkissen zur Begrüßung

„Hallo Baby - Willkommen in Goslar“: Ehrenamtliche besuchen junge Familien

„Babys riechen so gut!“ Diese sehr persönliche Empfindung motivierte Petra Gutknecht, sich als Besucherin für das Projekt „Hallo Baby - Willkommen in Goslar“ qualifizieren zu lassen. Petra Gutknecht  ist eine von 20 Ehrenamtlichen des Goslarer Projekts, die Familien mit Neugeborenen über Angebote und Hilfen in der Stadt Goslar informieren.

Träger des Projekts sind die Diakonie im Braunschweiger Land gemeinnützige GmbH, Kreisstelle Goslar, und der Deutsche Kinderschutzbund e. V., Ortsverband Goslar. Eine hauptamtliche Mitarbeiterin koordiniert das Projekt, akquiriert Ehrenamtliche und organisiert Teamtreffen.

Wie entsteht der Kontakt zwischen den Ehrenamtlichen und den Familien? Seit Januar 2012 gehört auch der Oberbürgermeister der Stadt Goslar zu den Gratulanten, wenn in Goslar und den umliegenden Ortschaften ein Kind zur Welt kommt. In einem Schreiben wünscht er dem Neugeborenen und den Eltern viel Glück und kündigt den Besuch von Ehrenamtlichen des Projektes „Hallo Baby - Willkommen in Goslar“ an.

Etwa acht Wochen nach der Geburt machen sich Petra Gutknecht und Rosemarie Bergmann, eine weitere Ehrenamtliche, auf den Weg zur Familie. Im Gepäck haben sie eine Begrüßungstasche und jede Menge Informationen. Meistens erwartet die Mutter mit dem Neugeborenen die ehrenamtlichen Besucherinnen schon. Auch ältere Geschwisterkinder, der Vater, die Großmutter oder eine Freundin nehmen sich manchmal Zeit für den Willkommensbesuch. Einige Familien haben den Termin im Alltagsstress vergessen und laden den unerwarteten Besuch dennoch in die Wohnung ein. Manchmal stehen die Besucherinnen auch vor verschlossenen Türen und hinterlassen ein sogenanntes „Schornsteinfegerkärtchen“ mit der Bitte, sich wegen eines neuen Termins zu melden.

Um für „Hallo Baby - Willkommen in Goslar“ arbeiten zu können, müssen Petra Gutknecht  und ihre Mitstreiterinnen über hohe soziale Kompetenzen verfügen und bereit sein, den Familien mit sehr viel Einfühlungsvermögen zu begegnen. „Wir dürfen eigene Maßstäbe z. B. an Sauberkeit und Ordnung nicht auf die Familien übertragen“, sagt Rosemarie Bergmann, „und wir nehmen es sehr ernst, wenn uns Familien zunächst misstrauisch oder ängstlich begegnen.“ Schließlich wissen die Familien noch nicht viel über das Projekt und ihre Gäste. Alles Wichtige über die Kommunikation mit den Familien und vieles mehr lernen die Ehrenamtlichen bei Schulungen, die die Koordinierungsstelle Frau und Wirtschaft im Landkreis Goslar als wichtiger Kooperationspartner organisiert.

In den meisten Fällen freuen sich die Familien über den Besuch und dass sie als Familie wahrgenommen werden. Mit der Begrüßungstasche überreichen die Ehrenamtlichen den Eltern einen Entwicklungskalender und eine Notfallliste, Freizeit- und Beratungsangebote für Familien mit kleinen Kindern und Adressen von Krippen und Kindertagesstätten. Auch einige Gutscheine, etwa für ein Probe-Babyschwimmen,  und ein Geschenk, zum Beispiel ein Kirschkernkissen für Babys,  sind dabei. Gerade Familien, die ihr erstes Kind bekommen haben oder die noch nicht lange in Goslar leben, sind dankbar für konkrete Hinweise und Tipps, wie sie Anschluss finden können oder welche Schritte notwendig sind, um Hilfe zu erhalten.

Fast jeder Besuch ist mit Überraschungen verbunden. „Kaum in der Wohnung angekommen“, so erzählt Petra Gutknecht, „drückte mir die junge Mutter ihr Baby in den Arm und verschwand aus der Haustür. Wir waren ganz schön verdutzt und hatten keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte.“ Nach mehreren Minuten des Wartens kehrte die Mutter mit dem Ehemann zurück. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie nur wenig Deutsch konnte und ihn zur Unterstützung aus der Nachbarschaft geholt hatte.

Nicht immer ist in den Familien alles in Ordnung. In diesen Fällen informieren die Besucherinnen über Unterstützungsangebote und vermitteln auf Wunsch an Beratungsstellen. Gelegentlich werden weitere Telefonate oder ein zweiter Besuch vereinbart. Um einer jungen Mutter die Schwellenangst zu nehmen, begleitete Petra Gutknecht sie einmal in ein Projekt für Eltern mit Kindern bis drei Jahren.

Petra Gutknecht und Rosemarie Bergmann kennen sich gut aus in Goslar und in der Beratungs- und Unterstützungslandschaft ihrer Stadt. Mit ihrem ehrenamtlichen Engagement, da sind sich die beiden sicher, tragen sie aktiv dazu bei, dass Familien mit Neugeborenen alles Wissenswerte über Angebote und Unterstützungsleistungen für Familien kennen. Sie finden, dass sie ihre Zeit sinnvoll einsetzen und eine Menge Spaß haben. Gelegentlich brauchen die Ehrenamtlichen selber Unterstützung. Der Besuch einer noch sehr jungen Mutter mit einem schwer behinderten Kind hatte die Besucherinnen tief getroffen. Das Gespräch mit der Projektkoordinatorin half ihnen, das Erlebte zu verarbeiten.

„Hallo Baby - Willkommen in Goslar“ wird finanziert aus Mitteln des Niedersächsischen Landesamtes für Soziales, Familie und Gesundheit, Eigenmitteln der Träger sowie Diakoniesammlungsmitteln. Ohne die Unterstützung der Sparkasse/Goslar Harz, der Bürgerstiftung für Goslar und Umgebung, von Firmen (Reddy-Küchen, dem Edeka Markt Plöger), privaten Spendern, Kollekten und natürlich der ehrenamtlich Engagierten wäre das Projekt nicht möglich.

Durch die guten Erfahrungen in Goslar sind die ehrenamtlichen Besucher/innen von „Hallo Baby - Willkommen in Goslar“ seit 2012 auch in der Stadt Langelsheim unterwegs. Nach der Fusion der Städte Goslar und Vienenburg 2014 begrüßen die Ehrenamtlichen inzwischen auch junge Eltern in Vienenburg und angrenzenden Ortsteilen. Seit Projektbeginn 2011 wurden 886 Familien angeschrieben und 685 von ihnen besucht.  

Text: Beate Theermann, Beauftragte für Diakonie, Diakonie im Braunschweiger Land gemeinnützige GmbH, Kreisstelle Goslar

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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