^
Navigation öffnen
Hendrik Langner
Hendrik Langner

Wie ein zweites Nachhause-Kommen

FSJ in der Wohngruppe Fokus in Großefehn

„Mir war schon früh klar, dass ich im sozialen Bereich arbeiten möchte, daher wollte ich nach der Schule ein FSJ machen“, sagt Hendrik Langner, der zurzeit sein Freiwilliges Soziales Jahr in der Wohngruppe Fokus des Leinerstifts in Großefehn, einem kleinen Ort in Ostfriesland, macht. In der  familientherapeutischen Gruppe wohnen Kinder und Jugendliche zwischen acht und 13 Jahren, die in ihren Familien schwierige Situationen erlebt haben. Sie können in die Wohngruppe einziehen, wenn sie nicht mehr zuhause leben können. Vier Sozialpädagogen und ein Familientherapeut arbeiten mit ihnen ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit auf und helfen ihnen, wieder einen geregelten Alltag zu finden. „Unser Konzept ist darauf angelegt, dass alle Kinder irgendwann wieder zurück in ihre Familien gehen können. Daher setzen wir nicht auf Abstand, sondern die Eltern können jederzeit hierherkommen und Zeit mit ihren Kindern verbringen. Es hilft den Familien nicht, wenn wir nur mit den Kindern arbeiten und sie dann, nachdem sie ein paar Tage zuhause sind, wieder in alte Muster zurückfallen“, erklärt Henric Behrens, der als Erzieher in der Wohngruppe arbeitet.

Zu Hendrik Langners Hauptaufgaben in der Wohngruppe gehört es, Kinder und Eltern zu fahren, denn die Wege in dieser dünnbesiedelten Gegend in Ostfriesland sind weit und mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen, da die Busse nur selten fahren. „Gleich am ersten Tag habe ich zwei Eltern abgeholt, die ihre Kinder sonst nicht hätten besuchen können“, erzählt er.
Wenn die Eltern in der Wohngruppe sind, haben sie die Verantwortung für ihre Kinder. Das heißt, sie bestimmen, ob die Kinder etwas tun dürfen oder nicht. „Aber natürlich nehmen wir nicht all ihre Erziehungsmethoden und Entscheidungen kommentarlos hin. Wir fragen sie zum Beispiel, ob sie nicht meinen, dass ihr Kind lieber in den Garten gehen sollte bei schönem Wetter, statt fernzusehen. Das klappt nicht immer reibungslos, aber wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden“, sagt Henric Behrens.

Um den Zusammenhalt zwischen den Familien wieder herzustellen oder zu verfestigen, sind gemeinschaftliche Erlebnisse wichtig. So sind alle Kinder und Eltern aus der Wohngruppe im März gemeinsam mit den Mitarbeitenden zum Boßeln gefahren, anschließend wurde gemeinsam Grünkohl gegessen. „Das hat perfekt funktioniert, denn alle haben sich gut verstanden und waren motiviert. Die Eltern und Kinder haben sich füreinander gefreut, wenn sie einen guten Wurf geschafft haben. Dafür konnten wir hier einfach auf die Straßen gehen, denn in der gesamten Zeit kamen nur drei Autos vorbei“, berichtet Hendrik Langner.

„Am Anfang war es schwer für mich, die Strukturen zu verstehen. Ich fand es zum Beispiel merkwürdig, wenn Kinder mich gefragt haben, ob sie noch was essen dürfen. Ich fand es schwierig zu wissen, wann ich etwas sagen darf und wann ich mich besser zurückhalten sollte. Gerade auch, weil ich mit 20 Jahren nicht viel älter bin als die Kinder. Einige der Eltern haben mich von Anfang an total herzlich aufgenommen, sie nehmen meinen Rat ernst. Das ist aber sehr individuell, bei anderen kann ich mich nicht in die Erziehung einbringen“, erzählt Hendrik Langner.
Hilfreich war bei der Einarbeitung für Hendrik Langner, dass das Team ihn von Anfang an gut aufgenommen und immer ein offenes Ohr für ihn hatte. „Ich fühle mich hier als gleichwertiger Teil des Teams wertgeschätzt. Ich habe gute und konstruktive Kritik bekommen, zum Beispiel, dass ich doch auch mal was mit den Kindern machen könnte, wenn ich sehe, dass sie sich langweilen. Keiner war von oben herab zu mir. Ich konnte jede Frage stellen, keiner hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nerve. Ich könnte mir kein besseres Ankommen vorstellen.“

Auch mit den Kindern und Jugendlichen kommt Hendrik Langner gut zurecht. Sie unternehmen gerne etwas mit ihm und fragen ihn um Rat. „Am Anfang mussten wir ihm beim Umgang mit den Kindern helfen, da gerade die jugendlichen Mädchen etwas distanzlos zu ihm waren. Zum Beispiel haben sie ihm private Fragen gestellt, die Hendrik ausführlich beantwortet hat. Das geht in seiner Position hier nicht. Doch er hat es dann gut geschafft, ihnen die Grenzen aufzuzeigen“, erzählt Henric Behrens. „Ich merke auch, dass die Kinder mich mögen, wenn sie sich beispielsweise freuen, wenn ich zurückkomme, und mir ganz viel erzählen, nachdem ich mal ein paar Tage nicht da war. Das ist für mich wie ein zweites Nachhause-Kommen“, sagt Hendrik Langner.

Nach dem FSJ fühlt Hendrik Langner sich darin bestärkt, Psychologie zu studieren. „Vorher war mir noch nicht klar, in welche Richtung ich gehen werde - da hätte ich mir auch vorstellen können, im Kindergarten zu arbeiten. Nun weiß ich, dass ich kein Erzieher sein will, sondern etwas Tiefergehendes machen möchte - daher Psychologie. Außerdem habe ich erkannt, dass mir die Arbeit mit den älteren Jugendlichen mehr liegt als mit Kindern. Das FSJ hat mir also perfekt geholfen bei der Entscheidung für die Richtung, in die ich gehen will“, erzählt Hendrik Langner.

Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

Seite empfehlen

Füllen Sie die Felder aus, und klicken Sie auf Senden, um diese Seite weiterzuempfehlen!

Code