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Foto: Diakonie Deutschland
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Schwangere stärken

Die Arbeit der Hebammenzentrale Aurich

23 Mal - so oft mussten Schwangere im Landkreis Aurich durchschnittlich bei Hebammen anrufen, bis sie eine gefunden hatten, die sie in ihrer Schwangerschaft begleiten konnte. Viele gaben vorher frustriert auf. „2016 kam die Regionalgruppe Aurich des Vereins Mother Hood e.V. auf mich zu, um gemeinsam darüber zu beraten, wie wir Schwangeren helfen können“, erzählt Stephanie Decker, die damals wie heute Kreisdelegierte der Hebammen in Aurich war und nun die Hebammenzentrale Aurich leitet.

Gemeinsam entwickelten die Hebammen und Mother Hood e.V. ein Konzept, wie die Kapazitäten im Landkreis gebündelt werden könnten. So entstand die Idee, eine Anlaufstelle einzurichten, die Hebammen und Schwangere zusammenbringt: eine Hebammenzentrale. 2017 kam das Diakonische Werk Aurich mit an Bord. „Wir waren gleich begeistert von der Idee und wollten uns gerne mit einbringen, um Schwangere zu stärken“, sagt Verena Bauer, Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberaterin im Diakonischen Werk Aurich. Hier ist die Hebammenzentrale angesiedelt.

„Es war uns wichtig, dass eine feste Stelle dafür geschaffen wird und eine Hebamme die Stelle bekommt. Hebammen können die Fragen der Schwangeren umfassend beantworten“, erklärt Verena Bauer. Viele Frauen, die sich bei der Hebammenzentrale melden, wissen gar nicht, wobei Hebammen sie unterstützen können. Sie haben nur von ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen gehört, dass sie sich eine suchen sollten. „In einem gemeinsamen Gespräch in meinem Büro versuche ich deswegen erstmal herauszufinden, was die Schwangere braucht, um gestärkt zu werden. Diese Gespräche sind oft sehr sensibel und intim“, sagt Stephanie Decker. Deswegen sei auch im Konzept von Anfang an festgehalten worden, dass die Hebammenzentrale nicht nur telefonisch erreichbar ist, sondern es auch Angebote für persönliche Gespräche geben müsse.

„Manchmal stelle ich in der Schwangeren- oder Schwangerenkonfliktberatung fest, dass eine Frau noch keine Hebamme hat, dann kann ich sie gleich weiterleiten. Neulich hatte ich zum Beispiel eine Frau in der Beratung, bei der sich herausstellte, dass sie bei der Geburt ihres ersten Kindes traumatisiert wurde. Bei Frau Decker weiß ich, dass sie in guten Händen ist und gut betreut wird“, sagt Verena Bauer. „Für solche Gespräche nehme ich mir immer ganz viel Zeit und habe anschließend meistens schon eine Hebamme im Kopf, von der ich meine, dass sie gut passen kann. Wenn ich bei ihr anrufe und ihr von dem Fall erzähle, hat es bisher immer geklappt, dass ich Schwangere und Hebamme zusammenbringen konnte“, ergänzt Stephanie Decker.


Auch andersherum funktioniere die Zusammenarbeit sehr gut: Ergibt sich in einem Gespräch, dass eine Schwangere zum Beispiel verschuldet ist oder sie ein Suchtproblem hat, dann vermittelt Stephanie Decker ihnen Beratungsgespräche in der Diakonie.


Vielen Frauen sei zudem gar nicht bewusst, dass ihnen auch eine Betreuung nach einer Fehl- oder Totgeburt oder nach einem Schwangerschaftsabbruch zusteht. Hier versucht die Hebammenzentrale für Aufklärung zu sorgen und hat unter anderem einen Flyer entwickelt. „Wir bieten zwar in Aurich eine seelsorgerische Begleitung für Frauen nach einer Tot- oder Fehlgeburt an. Die findet allerdings im Krankenhaus statt und wird von einer Pastorin angeboten. Einige der Frauen sind in diesem Schockzustand noch gar nicht in der Lage, diese Unterstützung anzunehmen, so weit sind sie noch nicht“, erklärt Verena Bauer. „Außerdem haben manche Frauen Hemmungen, mit einer Pastorin zu sprechen, weil sie mit der Kirche nichts zu tun haben. Doch über uns entwickelt sich dann doch manchmal ein kirchliches Gespräch, oder sie nehmen anschließend an einer Trauergruppe teil, die von der Kirche angeboten wird“, sagt Stephanie Decker.
 

Die Hebammenzentrale sei aber nicht nur eine Entlastung für Schwangere, sondern auch für die Hebammen selbst: „Vorher mussten sie abends noch ihren vollen Anrufbeantworter abhören und sich bei mehreren Frauen zurückmelden - das ist durch uns deutlich weniger geworden. Außerdem kann ich in meiner Datenbank schnell sehen, wo noch Kapazitäten frei sind und zum Beispiel Urlaubsvertretungen vermitteln oder einer Hebamme schnell eine Schwangere vermitteln, wenn sie kurzfristig freie Kapazitäten hat, weil zum Beispiel ein Kind früher geboren ist, als errechnet wurde“, erklärt Stephanie Decker.

Mittlerweile vermittelt die Hebammenzentrale Schwangere an 33 Hebammen, zu Beginn waren es 20. „Manche waren erst skeptisch und dachten, dass kaum jemand bei uns anrufen wird, doch das ist absolut nicht der Fall“, sagt Stephanie Decker. Im ersten Jahr ihres Bestehens haben sich 528 Schwangere bei der Hebammenzentrale gemeldet, 463 konnten erfolgreich vermittelt werden. Die Frauen, denen keine Hebamme vermittelt werden konnte, fanden evtl. auf anderen Wegen dann doch noch eine oder blieben unversorgt. „Wir merken, dass sich unser Bekanntheitsgrad stark erhöht hat im Laufe des Jahres. Es rufen mittlerweile auch viele Frauen bei uns an, die sagen, dass sie bereits bei mehreren Hebammen angerufen haben, aber keine gefunden haben. Über eine Freundin haben sie von uns erfahren und wollen nun auch ihr Glück versuchen“, sagt Stephanie Decker.


Die Hebammenzentrale erfasst zudem in einer Datenbank viele unterschiedliche Kennzahlen. Hierüber ist es möglich, der Politik genau aufzuzeigen, in welchen Regionen und in welchen Bereichen der Hebammenmangel besonders eklatant ist. „In vielen Gegenden werden zum Beispiel kaum noch Geburtsvorbereitungskurse angeboten. Das liegt unter anderem daran, dass viele Hebammen sich auf die Wochenbettbegleitung konzentriert haben, als der Mangel an dieser Leistung sehr groß war“, erklärt Stephanie Decker. „Außerdem gibt es keine Hebammen, die Schwangere auf den Inseln, die zu unserem Landkreis gehören, begleiten können. Das liegt daran, dass die Kilometerpauschale nur bis 25 Kilometer Fahrstrecke bezahlt wird und auch die Fahrt mit der Fähre nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Ich arbeite daran, dass auch in Niedersachsen - wie es in Schleswig-Holstein der Fall ist - werdende Eltern zwei Wochen vor und eine Woche nach der Geburt in einer Ferienwohnung auf dem Festland von einer Hebamme betreut werden können. Zurzeit wird das von den Krankenkassen nicht übernommen“, so Stephanie Decker weiter.


So entwickelt sich die Arbeit der Hebammenzentrale immer weiter. „Eine Schwangerschaft - gerade, wenn es die erste ist - stellt ja das ganze Leben auf den Kopf. Unser Ziel ist, dass alle Schwangeren im Landkreis Aurich die Unterstützung bekommen, die sie brauchen“, sagt Stephanie Decker.

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Kontakt

Diakonisches Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen e.V.
Ebhardtstr. 3 A, 30159 Hannover
Telefon: +49 511 3604-0, Telefax: +49 511 3604-108
geschaeftsstelle(at)diakonie-nds.de

Öffnungszeiten: Mo.-Do.: 7 - 17 Uhr, Fr.: 7 -14 Uhr

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